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Aktenzeichen 12 U 62/14
      Unfall in der Reithalle!

OLG Hamm weist Klage gegen Hallenbesitzer zurück: Baulicher Zustand der Halle in Ordnung!

Im Juni 2010 kaufte eine Reiterin für 19.500 € einen vierjährigen Wallach. Sie gab das Pferd in die Obhut eines Reitstalls, der es für die Dressur ausbilden und versorgen sollte. Mit dem Einverständnis der Tierhalterin sollte sich der Wallach mehrmals pro Woche in der Reithalle frei bewegen. Dabei stieß er im Dezember 2010 gegen eine der Stahlstützen des Hallendachs und zog sich eine schwere Schädelverletzung zu. Eineinhalb Jahre nach dem Unfall brachte die Tierhalterin ihr Pferd in einem anderen Stall unter. Dort zeigte es Auffälligkeiten und wurde in einer Tierklinik einer orthopädischen Untersuchung unterzogen.

Die Mediziner stellten fest, der Wallach habe Gleichgewichtsprobleme; das sei eine Spätfolge der abgeheilten Verletzung. Als Dressurpferd sei das Tier damit untauglich. Nun warf die Tierhalterin dem Hallenbesitzer vor, seine Reithalle erfülle nicht die baulichen Bedingungen für risikofreies Reiten. Die Halle verfüge nicht über eine höhere Reitbande, vor den Stahlstützen verlaufe eine nur 80 cm hohe Barriere aus Holz. Die Stahlstützen stellten erkennbar eine Gefahrenquelle dar. Vom Hallenbesitzer forderte die Reiterin 40.400 € Schadenersatz (Kaufpreis plus Ausbildungs- und Behandlungskosten).

Ihre Klage gegen den Hallenbesitzer wies das Oberlandesgericht (OLG) Hamm zurück. Das freies Bewegen in der Halle nicht völlig gefahrlos sei, habe die erfahrene Reiterin gewusst, erklärte das OLG. Nach zahlreichen Turnierteilnahmen habe sie das damit verbundene Risiko gut einschätzen können. Die Tierhalterin habe auch die baulichen Verhältnisse gekannt und trotzdem dem Freilauf in dieser Halle ausdrücklich zugestimmt, ihn manchmal selbst überwacht. Zudem habe ein Sachverständiger erläutert, dass der bauliche Zustand der Reithalle nicht gefährlich sei und sich auch für Freilauf eigne, sofern sachgerecht vorgegangen werde.

Pferde müssten vorher geritten, longiert oder geführt werden. Dafür habe der Hallenbesitzer regelmäßig gesorgt. Eine klassische Reitbande statt der Holzbarriere hätte die Kopfverletzung des Wallachs nicht verhindert: Ein Pferd laufe ja mit dem Kopf in mindestens 2,40 m Höhe. Außerdem habe es in der Reithalle, die seit 35 Jahren in Betrieb sei, noch nie nennenswerte Unfälle gegeben, so entschied das Oberlandesgericht Hamm.