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Aktenzeichen 5 AZR 556/17
      Praktikantin will Mindestlohn!

Während eines Praktikums zur beruflichen Orientierung besteht kein Anspruch auf Vergütung.

Eine junge Frau wollte die Berufsausbildung zur Pferdewirtin absolvieren. Um die Anforderungen kennenzulemen, vereinbarte sie mit der Inhaberin einer Reitanlage ein dreimonatiges „Praktikum zur beruflichen Orientierung“. Für solche Praktika hat der Gesetzgeber keinen Lohn vorgesehen. Auch die Pferdefreundin erhielt keine Vergütung für ihre Arbeit. 

Sie putzte und sattelte die Pferde, stellte sie auf ein Laufband, brachte sie zur Weide und holte sie wieder ab. Die Praktikantin fütterte die Tiere und half bei der Stallarbeit. Im November war sie einige Tage krank. Anfang Dezember teilte sie der Chefin mit, ab 20. Dezember wolle sie mit der Familie in den Weihnachtsurlaub. Die Chefin hatte nichts dagegen. 

Während der Feiertage rief die Praktikantin an und bat um Urlaub bis zum 12.: Sie würde gerne in der Zwischenzeit „Schnuppertage“ auf anderen Pferdehöfen einschieben.

Auch dieser Antrag wurde genehmigt, sodass das Praktikum erst am 25. Januar endete. Anschließend forderte die künftige Pferdewirtin von der Inhaberin der Reitanlage für das Praktikum ein Entgelt von 5491 € brutto. Ihre Tätigkeit sei mit dem Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde zu vergüten, meinte sie. Denn ihr „Praktikum zur beruflichen Orientierung“ habe länger gedauert als die gesetzlich festgelegte Höchstdauer von drei Monaten.

Dem widersprach das Bundesarbeitsgericht und wies die Zahlungsklage der Praktikantin ab. Ihr Praktikum habe nicht länger als drei Monate gedauert. Vielmehr habe sie es aus persönlichen Gründen mehrmals kurz unterbrochen: wegen Arbeitsunfähigkeit, für Urlaub und Schnuppertage.

Das beeinträchtige in keiner Weise den sachlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Abschnitten des Praktikums. Nach jeder Unterbrechung habe die künftige Pferdewirtin ihr Praktikum unverändert fortgesetzt. Die Tage, in denen sie das Praktikum unterbrochen habe, zählten daher nicht als Praktikumstage. Also sei auch die Höchstdauer von drei Monaten hier nicht Überschritten , so entschied das Bundesarbeitsgericht.