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Aktenzeichen 20 U 7/18
      Hengst zertrümmert mobile Pferdebox!

Der Hersteller instabiler, mobiler Pferdeboxen und zwei Tierhalter müssen sich Tierarztkosten für den verletzten Hengst teilen. Pferdezüchter W. nahm mit seinem Hengst Q. am Turnier teil. Weil die festen Boxen für WM-Dressurpferde reserviert waren, wurden Q. und andere Pferde in mobilen Boxen eingestellt. Züchter W. sicherte die Box von Q. zusätzlich mit Stromlitzen, trotzdem kam es nachts zu einem Unfall. Ein Wallach konnte sich aus seiner Box befreien und lief durch die Stallgasse in der Halle am Hengst vorbei. Das regte Q. so auf, dass er gegen die Boxenwand sprang. Die Wand zerbrach und verletzte den Hengst. 

Für die Tierarztkosten von 5700 € forderte Pferdebesitzer W. Schadenersatz vom Besitzer des Wallachs und vom Hersteller der mobilen Boxen. Seine Klage hatte vor dem Ober-landesgericht Celle überwiegend Erfolg. Dass ein Hengst auf einen frei laufenden Wallach mit Steigen reagiere, sei nach Aussagen der Sachverständigen "typisch". Diesen Beitrag seines eigenen Pferdes zu dem Schaden müsse sich Herr W. zwar mindernd auf seinen Anspruch anrechnen lassen, das aber unabhängig von eigenem Verschulden. Dem Züchter sei jedenfalls nicht vorzuwerfen, dass er Hengst Q. in einer mobilen Box untergebracht habe. Schließlich sei Q. kein auffälliges Tier, sondern ein ruhiges, erfahrenes Turnierpferd, das sich nicht ohne äußeren Anlass aufbäume. 

Der Hersteller der mobilen Boxen habe seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, weil die Tragkraft seiner Konstruktion ungenügend sei. Er müsse daher ebenfalls einen Teil der Behandlungskosten übernehmen. Die statische Last eines steigenden Pferds (600 bis 700 kg) müssten mobile Boxen aushalten. 

Die Vierkantrohre der Box müssten laut Gutachten mindestens 60 x 60 x 4 mm dick sein. Die Box weise aber nur eine Materialstärke von 25 x 25 x 2 mm auf.  Die Konstruktion erfülle weder die Anforderungen des Tierschutzgesetzes noch entspreche sie den Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zum Reitanlagenbau: Demnach müssten alle Einrichtungen für Pferde so gestaltet sein, dass Verletzungen an scharfen Kanten oder das Festklemmen der Pferde oder einzelner Gliedmaßen unmöglich seien, so entschied das Oberlandesgericht Celle.