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Aktenzeichen 3 C 147/06
       Probleme beim Verladen, Tierarzt haftet!

Wenn ein Pferd zum Verladen sediert wird, haftet der Tierarzt, falls er das Medikament fehlerhaft dosiert. Das Gericht hatte sich mit einem Fall zu befassen, in dem ein durch eine schwere Transportneurose nicht verladefähiges Pferd aufgrund eines erfolgten Verkaufs zwingend transportiert werden musste.

Der von der Eigentümerin hinzugezogene Tierarzt verabreichte intravenös ein Sedativum. Da das Pferd zu dieser Zeit schon ausgesprochen nervös war, war die gewünschte Ruhigstellung nicht zu erreichen, so dass insgesamt drei Mal nachdosiert wurde. Die dadurch verabreichte Medikation belief sich auf mehr als die doppelte Höchstdosierung. Obwohl das Tier auf dem Transporter massiv tobte, erteilte der Tierarzt den Ratschlag, den Transport fortzusetzen und es nicht wieder abzuladen, da sich das Pferd aufgrund der Medikation kurzfristig beruhigen werde und im Falle eines Abladens ein erneutes Aufladen vermutlich nicht möglich sei. Im Verlaufe des Transports verstarb das Pferd infolge Kreislaufversagens.

Das Gericht verurteilte den Tierarzt zur Zahlung von Schadensersatz, der sich auf den Wert des Pferdes zuzüglich der angefallenen Abdeckerkosten belief. Nach Einholung eines Sachverständigengutachtens durch einen Fachtierarzt für Pferde stellte das Gericht fest, dass der behandelnde Tierarzt seine Sorgfaltspflichten verletzte. Er habe schon nicht den Grundsatz berücksichtigt, dass sich ein aufgeregtes Tier nicht sedieren lasse, auch nicht durch weitere Verabreichung von Sedativa. Darüber hinaus habe er durch die Verdopplung der empfohlenen Höchstdosis des Präparates ein nicht kalkulierbares Risiko für das Pferd geschaffen.

Durch die Begleitumstände - hohe Außentemperatur, Transportneurose - seien die Risiken erkennbar derart erhöht worden, dass es dem Tierarzt oblegen hätte, vom Transport gänzlich abzuraten. Zumindest hätte er versuchen sollen, den Transport abzubrechen, nachdem das Pferd trotz verabreichter Präparate auf dem Anhänger tobte und sich offensichtlich nicht beruhigte. Denn durch das verwendete Beruhigungsmittel wurde die Herzleistung des Pferdes extrem reduziert, gleichzeitig wurde das Herz durch die Aufregung und die körperliche Anstrengung des Tieres durch die Neurose bzw. das Toben auf dem Anhänger überfordert. Das im Übrigen gesunde Pferd sei aufgrund dieser Umstände durch ein Herz-Kreislauf-Versagen verendet, so entschied das Amtsgericht Ahlen.