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Aktenzeichen 8 U 118/10
       Unauffällige Wunde nicht behandelt!

Tierarzt muss Schadenersatz für eingeschläfertes Pferd leisten: Beweislastumkehr bei grobem Behandlungsfehler.

Weil sich ihr Pferd bei einer Panik auf der Koppel verletzt hatte, brachte die Besitzerin es zum Tierarzt. Der behandelte es, kümmerte sich dabei aber nicht um eine Wunde, die er für „eher unauffällig“ hielt. Bald darauf transportierte die Besitzerin das Pferd mit einer Wundinfektion in eine Tierklinik. Doch die Weiterbehandlung half nichts mehr, das Tier musste eingeschläfert werden.

Vom Tierarzt forderte die Frau Schadenersatz für die Kosten des Klinikaufenthalts und für den Preis des Pferdes. Zu Recht, dem Mediziner sei ein grober Fehler unterlaufen. Der Verweis auf die „oberflächlich unauffällige Wunde“ entlaste ihn nicht so das OLG. Er schuldete eine Behandlung nach tierärztlichem Standard und nicht nur eine oberflächliche Betrachtung.

Wie in der Humanmedizin gelte auch in der Tiermedizin der Grundsatz, dass ein grober ärztlicher Behandlungsfehler zu einer Umkehr der Beweislast führe. Das bedeute: In der Regel müsse der Tierbesitzer, wenn er Schadenersatz verlange, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem ärztlichen Versagen und der Schädigung der Gesundheit des Tieres beweisen.

Liege ein grober Behandlungsfehler vor, sei es dagegen umgekehrt. Dann sei es Sache des Tiermediziners zu beweisen, dass dem Tier auch mit tadelloser ärztlicher Versorgung nicht zu helfen gewesen wäre. Nur so könnte der Tierarzt der Haftung für den Gesundheitsschaden entgehen.

Im konkreten Fall werde dieser Beweis kaum gelingen: Wäre die Wunde rechtzeitig behandelt worden, wäre aus einem verletzten Pferd kein hoffungsloser Fall geworden, so entschied das Oberlandesgericht Frankfurt.